Alles Etikett(e) oder was?

Schon während meines Kunsthistorikstudiums traf ich auf einen spannenden Professor, der mit seinen Studenten unter meiner Vorgabe auf einer Bordeaux Flasche mit kraftvollem Rotwein Etiketten entwerfen ließ: Wir wollten sehen, wie die unterschiedliche Auffassung eines jeden zu diesem Wein dazustellt würde.

Das Ergebnis war verblüffend: von floralen über geometrische Motive, von Burgen und Wappen, Ranken und Reben, von monochrom bis extrem farbenfroh, von modern oder traditionell, so standen zum Schluss des Semesters eine große Anzahl höchst unterschiedlicher Etiketten zu ein und demselben Wein vor uns!

Ich habe im letzten Jahr eine Lizenz von wirklich tollen Münster Bildern des Künstlers Wolfgang Nocke erworben und damit zwei Münster Weine auf den Markt gebracht. Die Weine kommen von einem Weingut aus Österreich, das meinen Namen trägt und wir wissen mittlerweile auch, dass wir über einige Ecken miteinander verwandt sind…

Diese exklusiven Etiketten spiegeln nun einen kleinen Teil unserer Stadtgeschichte wieder, sind modern und figurativ gehalten, erzählen Geschichten. Nicht nur Münsteraner stehen staunend davor, sie werden als Geschenk gerne in die Welt hinaus getragen.

Warum erzähle ich Ihnen diese beiden Beispiele? Weil Etiketten mit unseren Gefühlen, mit unserem Zeitgeist, mit unserem eigenen Geschmack spielen, aber nicht immer ein Abbild des realen Weines darstellen! Wir stehen vor einem Regal mit einer Vielzahl von Weinen und sehen Rotweine, Weißweine und Rosés. Schon der erste Eindruck lässt uns einige Weine eingrenzen, denn hier werden wir beeindruckt.

Da spielt ein Winzer mit seinem Namen, wie zum Beispiel Uli Metzger aus der Pfalz, der auf seinem Etikett einen Stier stehen hat , der seine verschiedenen Fleischpartien schwarz, blau, rot oder golden markiert. Die Weinkategorien dazu heißen Flanke, Pastorenstück und Filet, eine Unterteilung, die einem jeder Metzger erklären kann. Wein und Stier – eine gute Werbe-Kombination? In Metzgers Fall hat diese Kombination höchst erfolgreich geklappt.

Oder denken Sie an den berühmten Markus Schneider, ebenfalls ein Pfälzer. Er spielt mit Namen wie „Ursprung“, „Tohuwabohu“, „Einzelstück“, seine Etiketten sind grafisch aufgebaut, bestehen zumeist nur aus diesen Namen, kein Schnörkel ist zu finden. Er hat damit das Prinzip der Wiedererkennung groß gemacht und ist ein Gigant geworden, der das Etikett als Werbefläche einsetzt wie kaum ein Zweiter.

Der Zeitgeist spiegelt sich also wieder: In unserer schnelllebigen Welt und den immer besser werdenden Weinen weltweit muss man herausstechen, um wahrgenommen zu werden und deshalb werden Etiketten immer mehr „entrümpelt“.

Zu diesem Zweck werden gerne Rückenetiketten aufgebracht, auf denen alle obligatorischen und weiteren möglichen Angaben stehen, damit das Frontetikett die „Werbebotschaft“ des Winzers wiederspiegeln kann.

Was muss auf einem Etikett eigentlich stehen?

Laut der Europäischen Union gibt es folgende obligatorische Angaben auf dem Etikett, wenn der Wein in den europäischen Handel kommt:

Die Qualitätsstufe: Deutlich und gut lesbar muss die Qualitätsstufe auf einem Weinetikett verankert sein. In Deutschland sind es Tafelwein, Landwein, Qualitätswein oder Qualitätswein mit Prädikat. Die Weinprädikate sind Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein.

Der Abfüller: Der Abfüller, also im Regelfall der Winzer, muss auf einem Weinetikett stehen. Hierzu gehört auch der Ort der Abfüllanlage.

Der Alkoholgehalt: Die Angabe des Alkoholgehalts eines Weines ist verpflichtend und wird in Volumenprozent angegeben.

Nennvolumen: Der Inhalt in Litern, also das Volumen einer Weinflasche, muss auf dem Etikett aufgeführt sein. Klassisch ist die 0,75 l Flasche, die Literflasche, die Magnum-Flasche mit 1,5 l Inhalt und die halbe Flasche mit 0,375 l Volumen

Amtliche Prüfungsnummer: Weine der Qualitätsstufe Qualitätswein werden der sogenannten Qualitätsweinprüfung unterzogen. Wenn der Wein die analytische, geografische und sensorische Prüfung bestanden hat, erhält er eine amtliche Prüfungsnummer, die auf dem Etikett abgedruckt werden muss. Diese Nummer ersetzt die Loskennzeichnung.

Hinweis auf Sulfite: Weine, die bei der Herstellung geschwefelt wurden, müssen den Hinweis „Enthält Sulfite“ auf dem Etikett enthalten. Seit Beginn des Jahres 2006 unterliegt dies einer Kennzeichnungspflicht.

Hinweis auf eiweisshaltige Schönungsmittel: Viele Weine werden mit eiweisshaltigen Schönungsmitteln wie Kasein und Ovalbumin geschönt. Auch hierauf muss auf dem Weinetikett verwiesen werden. Dies betrifft allerdings nur Erzeugnisse, die nach dem 30. Juni 2012 in der EU in den Handel kamen. Für ältere Erzeugnisse gilt eine Übergangsfrist.

Weitere mögliche Angaben sind

Die geografische Herkunft: Die Angabe dieser ist nur teilweise verpflichtend vorgeschrieben. Das hängt unter anderem von der Qualitätsstufe eines jeweiligen Weines ab und davon, wie detailgenau die Ortsangabe ist. Aber auch bei Qualitätsstufen, bei denen keine Angabe der geografischen Herkunft vorgeschrieben ist, darf diese natürlich genannt werden.

Der Jahrgang: Gemeint ist der Jahrgang, in dem die Trauben eines Weines gewachsen sind. In der Regel wurden diese dann auch im selben Jahrgang geerntet. Die Angabe darf allerdings nur auf dem Etikett stehen, wenn mindestens 85 Prozent der verwendeten Trauben für einen Wein auch tatsächlich in diesem Jahrgang geerntet wurden.

Die Rebsorte(n): Bei sortenreinen Weinen ist die Angabe der verwendeten Rebsorte selbstverständlich erlaubt, aber nicht verpflichtend. Die Rebsorte darf auch bei Cuvées unter bestimmten Bedingungen angegeben werden. Das Bezeichnungsrecht für Wein definiert hierfür zwei Fälle.

Die dominante Rebsorte darf bei einer Cuvée auf dem Etikett angegeben werden, wenn diese einen Anteil von mindestens 85 Prozent ausmacht.

Bei einem Verschnitt aus zwei Rebsorten dürfen beide Rebsorten auf dem Etikett angegeben werden, insofern der Wein zu 100 Prozent aus ausschließlich diesen beiden Sorten besteht.

Die Lage: Weinorte und Lagen dürfen auf dem Etikett angegeben werden.

Geschichte des Etikettes

Nachweislich waren es die Sumerer vor etwa 6000 Jahren, die schon ihren Wein etikettierten. Dieser wurde in Amphoren ausgebaut und transportiert. Man ritzte die Informationen entweder auf die Amphoren oder versah sie mit Rollsiegeln.

Als die Griechen und Römer den Wein für sich entdeckten kamen Anhänger in Mode, natürlich fein ziseliert und edel aufgemacht.

Bis zum ersten Papieretikett war der Weg allerdings noch weit: Erst die Lithografie ermöglichte den preiswerten Druck: Das erste auf Papier gedruckte Etikett wurde für einen 1822er F.M. Schloss Johannisberger Cabinets Wein verwendet und stellte das Schloss mit den umliegenden Weinbergen grafisch dar.

Jeder von uns wird beim Betrachten eines Weines das Etikett wahrnehmen, es für sich als schön, interessant, ansprechend, hässlich, nichtsagend, schwülstig, altbacken oder wie auch immer einstufen und vielleicht auch daraufhin seine Kaufentscheidung treffen. Nur ob der Wein, den wir dann trinken, unserem eigenen Geschmack entspricht, das müssen wir alle selber ausprobieren und dazu wünsche ich Ihnen viel Spaß!

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