Spätburgunder, der Vater der Burgunder!

Sensibel ist er, dünnhäutig, anfällig gegen Krankheiten und empfindlich gegen Hitze und Kälte: Was sich wie ein schwieriger Typ anhört, ist die Beschreibung von einer der besten roten Edelreben, die die Welt kennt,  die Spätburgunderrebe!

Was wäre die Welt ohne diese aus dem Burgund stammende Rebsorte? Kein Grauburgunder hätte jemals das Sonnenlicht gesehen,  kein Champagner würde prickelnd ins Glas fließen, kein burgundischer Blanc de Noir würde uns entzücken.

„Warum?“ werden Sie fragen: Spätburgunder ist der Vater der Burgunder, aus ihm mutierten so bekannte Sorten wie der Grau- und der Weißburgunder, der Schwarzriesling und der Frühburgunder.

Auch geklont wurde er gerne: Mehr als 50 Klone wurden alleine in Frankreich zugelassen, er scheint ein patenter Bursche zu sein! Ein ausschließlich in Württemberg angebauter Klon ist Samtrot, der dort seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts bekannt und vermehrt wurde.

Und dann wurde er auch noch gekreuzt, mit einer nicht so bekannten und auch im Mittelalter nicht so hoch geachteten Sorte namens Gouais Blanc. Nachdem man sich gegenseitig befruchtet hatte, kamen die heute so hochgeschätzten weißen Trauben wie Chardonnay, Bourgogne Aligoté oder  Auxerrois, sowie die durch das Beaujolais so bekannte Gamay-Traube dabei spontan heraus: Man sieht, die Rebenwelt ist fruchtbar!

Noch etwas ist dem Spätburgunder anhängig, nämlich die Vielzahl seiner Synonyme: Bei uns als Spätburgunder bekannt, nennt man ihn in seiner Heimat Frankreich Pinot Noir, in Italien Pinot Nero, in Österreich Blauer Burgunder, Clevner in Württemberg oder aber auch Schwarzburgunder.

Im Burgund wird er als alleinige rote Sorte zur Qualitätsweinbereitung zugelassen und gilt dort schon seit Jahrhunderten als die qualitativ hochwertigste Rebsorte.

In der Champagne ist er Einer von Dreien: Neben der weißen Chardonnay-Rebe wird er zur Champagnerherstellung noch mit der hier Pinot Meunier genannten roten Schwarzrieslingtraube verschnitten.

Da Sie Champagner in der Regel als hell gekeltertes Edelgetränk kennen, er aber, wie gerade beschrieben, meist aus zwei roten und einer weißen Rebsorte hergestellt wird, muss etwas mit der Farbe der roten Sorten passieren: Man kann bestimmte Rotweintrauben, wenn sie in ihrem Fruchtfleisch grün-hell sind, hell keltern, indem man den Schalenkontakt, auf der die dunklen Farbpigmente sind, nicht zulässt. Die roten Beeren werden schnell abgepresst und nur der Saft wird vergoren. Man erhält damit einen „Blanc de Noir“, einen hell gekelterten Weißwein aus roten Trauben!

Die Spätburgunderrebe liebt die kühleren Regionen, allen voran das Burgund. Hier werden in oft kleinen Lagen teure und berühmte und oftmals langlebige Burgunder hergestellt, für die diese Region bekannt ist. Vollmundig, samtig, fruchtige Aromen von Erdbeere, Kirsche, Johannisbeere bis hin zu Brombeere im Mund, dazu Mandelnuancen, kraftvoll und beim Ausbau im Barrique auch noch mit Vanille- und Holznoten, so präsentieren sich diese Weine oftmals.

Aber auch in Deutschland wird der Spätburgunder sehr geschätzt, wir sind der drittgrößte Spätburgunderhersteller der Welt, hinter Frankreich und den USA!

Bekannt ist der Spätburgunder besonders in Baden und der Pfalz, im Rheingau und an der Ahr.

Stammen tut er wohl  aus einer Wildrebe, die im westlichen Mitteleuropa ausgelesenen wurde. Schon Karl der Dicke soll den Spätburgunder 884  mit an den Bodensee gebracht haben! Im 13. Jahrhundert wurde er im Rheingau gepflanzt. im 16. Jahrhundert dann in der Pfalz und im 18. Jahrhundert soll die Sorte aus dem Burgund an die Ahr gebracht worden sein.

Bekannte Namen von Winzern, die sich schon früh mit der Edelrebe in Deutschland beschäftigt und ihren Glanz in die Welt getragen haben sind der leider verstorbene Wolf-Dietrich Salwey aus dem Kaiserstuhl, Werner Näkel aus Dernau an der Ahr und Werner Knipser aus Laumersheim in der Pfalz. Alle drei Weingüter gehören  heute zur Weltspitze, nicht zuletzt wegen der Pionierarbeit rund um den Spätburgunder, der damit auch Deutschland zum berühmten Standort dieser Rebe gemacht hat!

Aber auch in kühleren Regionen Österreichs, der Schweiz und Italiens, sowie in Oregon, Kalifornien, Kanada und Australien findet sich die rote Sorte. Bedingt durch den Klimawandel baut nun selbst der Süden Englands Schaumweine aus Spätburgunder oder leichte Rotweine daraus aus!

Während ich diese Zeilen schreibe, ist in Deutschland der Winter angekommen. Ich habe mir eine Flasche Spätburgunder RS on Konrad Salwey aufgemacht, einem super lieben Winzer aus dem Kaiserstuhl und Sohn von Wolf-Dietrich Salwey. Dieser klassische Spätburgunder, der neben der reinen Frucht auch Würze und Mineralität aufweist, kommt mit leichten Raucharomen daher.
Die Fruchtaromen sind von Beerenfrüchten bestimmt. Ich trinke den Jahrgang 2014, denn der RS benötigt zwei Jahre Lagerung auf der Flasche, um eine samtige Tanninstruktur zu entwickeln und die Säure einzubinden. Nur dann kommt sein volles Potential zur Geltung.

Genießen auch Sie die vielfachen Ausbauarten dieser wunderbaren Rebsorte: Schwenken Sie Ihren Spätburgunder im Glas, riechen Sie seine Duftfülle, nehmen Sie einen ersten Schluck und fühlen Sie sich wohl!

In meinem Weinhandel und Onlineshop finden Sie viele tolle Spätburgunder!

Herzlichst

Ihre Trixi Bannert

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