Mutationen sowie Klone des Spätburgunders

Der Spätburgunder neigt zu verstärkter Bildung von Mutationen. Allein in Frankreich wurden 50 Klone für den gewerblichen Anbau selektiert und zugelassen. Beim wesentlich häufiger angebauten Cabernet Sauvignon wurden derweil nur 25 Klone zugelassen.

Neben den Klonen sind eine ganze Reihe eigenständiger Rebsorten bekannt, die aus einer Mutation des Spätburgunders hervorgingen. Zu diesen zählen die Sorten Frühburgunder, Pinot Liébault, Schwarzriesling, Weißburgunder, Grauburgunder und Blauer Arbst.

Der Grauburgunder scheint aus einer Mutation der DNA-Abschnitte VvMYBA1 oder VvMYBA2 aus dem Spätburgunder entstanden zu sein. Der Weißburgunder könnte dabei sogar eine Zwischenetappe zwischen dem Spätburgunder und dem Grauburgunder sein. Der genetische Fingerabdruck aller drei Sorten ist identisch. [25] Zwei andere Burgundersorten, der Pinot Teinturier und der Pinot Tête de Nègre (auch Pinot Moure genannt), sind ebenfalls Mutationen des Spätburgunders.[26]

Eine Rückmutation des Schwarzrieslings zum Spätburgunder stellt Samtrot dar. Diese Zufallsmutante wurde 1928 von Hermann Schneider in seinem Heilbronner Weinberg entdeckt und 1929 von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg zur Vermehrung übernommen. Samtrot, so benannt 1950, wird ausschließlich in Württemberg angebaut. Sortenrechtlich ist Samtrot als ein Klon des Blauen Spätburgunders eingestuft, bezeichnungsrechtlich ist Samtrot ein Synonym des Blauen Spätburgunders im Anbaugebiet Württemberg, ebenso wie die Bezeichnung Clevner.

Im Jahr 1810 wurde in Gevrey die Rebsorte Pinot Liébault selektiert. Auch hierbei handelt es sich um eine Mutation des Spätburgunders. Die Sorte ist etwas ertragsicherer und ertragreicher als der Spätburgunder, behält jedoch seine hohe Qualität bei. Aus heutiger Sicht würde der Pinot Liébault lediglich als Klon der Hauptsorte deklariert. In den Appellationsvorschriften des Burgunds wird der Pinot Liébault jedoch noch als eigenständige Sorte geführt.

Der in englischsprachigen Ländern bekannte Wrotham Pinot wurde in der Ortschaft Wrotham in Kent gefunden. Er ähnelt dem Schwarzriesling, reift jedoch fast 2 Wochen früher und erzielt etwas höhere Mostgewichte. [27] . Edward Hyams von der Oxted Viticultural Research Station in Oxted (Surrey) wurde auf diesen speziellen Weinstock aufmerksam gemacht. Erste Versuche mit Schaumwein verliefen erfolgversprechend. Der Amerikaner Richard Peterson pflanzte den Wrotham Pinot im Jahr 1980 in Kalifornien und fertigt seither einen roséfarbenen Schaumwein.[28]

In August 2007 gaben französische Forscher über die Zeitschrift Nature bekannt, dass die DNA des Genoms des Spätburgunders als erste Rebsorte weltweit vollständig sequenziert sei.[29]

Kreuzungen mit dem Spätburgunder

Aufgrund genetischer Untersuchungen von 322 Rebsorten im Jahr 1998 stellte sich heraus, dass die Sorten Aligoté, Aubin Vert, Auxerrois, Bachet Noir, Beaunoir, Chardonnay, Dameron, Franc Noir de la Haute Saône, Gamay Blanc Gloriod, Gamay, Knipperlé, Melon de Bourgogne, Peurion, Romorantin, Roublot und Sacy alle aus spontanen Kreuzungen zwischen Pinot und Gouais Blanc entstanden.

Der Gouais Blanc ist eigentlich eine minderwertige Rebsorte, die im Mittelalter nur aufgrund hoher Erträge geschätzt wurde und häufig in unmittelbarer Nähe zu Spätburgunder-Anpflanzungen angebaut wurde. Die räumliche Nähe der Pflanzen führte zwangsweise zu gegenseitiger Befruchtung und somit zu neuen Sorten. Insbesondere die Hochwertigkeit einiger Sorten (insbesondere Chardonnay, Aligoté, Auxerrois und Gamay) lässt sich mit dem Heterosis-Effekt erklären. Das genetische Grundmuster beider Kreuzungspartner ist stark verschieden und erklärt die Fülle neuer Sorten.

Neben diesen Spontankreuzungen entstanden im 20. Jahrhundert auch gezielt durchgeführte Neuzüchtungen. Erfolgreiches Beispiel ist die 1925 entstandene Sorte Pinotage. Kreuzungspartner war dabei die südfranzösische Sorte Cinsault.

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